05.03.2010 2.Bundesliga, Ostseestadion
Hansa Rostock – RW Ahlen 0:1
Die Arbeitswoche ging diesmal zum Glück recht zügig vorüber, was sicher auch daran lag, das man eben mal spontan auf 4 Tage Woche umgestellt hatte. Doch der Hauptgrund für den wöchentlichen Büroalltag im Zeitraffer war mehr die Vorfreude auf ein alles inklusive Weekend. Alles inklusive Weekend hieß in diesem Fall: Zugfahren + Fußball + Party + Alkohol. Zugfahren im Übermaß. Fußball zum Abgewöhnen. Party bis die Tanzfläche bebt. Alkohol zensiert.
Am Do
nnerstag die Sollarbeitszeit für den Lohnzettel erfüllt und ab ging es zum Bahnhof. Mit Discounter-Ticket in der Tasche wurde die Fahrt gen Norden gewohnt umweltverträglich angetreten. Erwähnenswertes von erlebnisarmen 8 Stunden Fahrt an einem Donnerstagabend gibt es im Nachhinein nicht zu berichten. Gegen 23 Uhr hieß es Land in Sicht, äh natürlich Strand in Sicht. Die Lieblings-Jugendherberge- Familie wartete schon.
Der Freitagmorgen startete mit einem üppigen Frühstück inkl. Brötchenservice, schließlich wartete ein langer ereignisreicher Tag. Frisch gestärkt wurden tagsüber noch die letzten Besorgungen für die abendliche Geburtstagsparty erledigt und am Nachmittag gab sich dann auch der Gastgeber der Abendveranstaltung endlich die Ehre. Bevor es aber bei Speis & Trank & Weib rundgehen konnte, hatte passenderweise unser FCH zum Heimspiel geladen.
Bei winterlichen Temperaturen jenseits des Gefrierpunkts war es aber eigentlich vom Papier her schon kein Spiel das einen vor dem Ofen herlocken sollte. Tabellen 15. gegen Tabellen 18. Abstiegskampf in Höchstform. Aber man hofft ja immer noch auf den Befreiungsschlag. Immerhin 7.500 unentwegte Hanseaten wollten sich diesen Klassiker der 2. Bundesliga nicht entgehen lassen. Und klassisch wurde es auch schon nach 13 Spielminuten, als der FCH wie gewohnt in Rückstand geriet. Das Tor durch Ahlen klassisch gelupft und klassisch abgefälscht. Immerhin hatte die Hansaabwehr mit dem Betteln um Gegentore, im Gegensatz zum Spiel in Fürth letzte Woche, diesmal noch eine Minute länger warten können. Für Statistikfreunde war zu diesem Zeitpunkt schon klar: 0:1 hinten liegen = Spiel verlieren.

Aber es war ja noch Zeit und so konnten die in der Woche publizierten Attribute wie Kampf und Einsatz und Leidenschaft möglicherweise noch umgesetzt werden. Vom Einsatz stimmte es über die gesamte Spiellänge gesehen ja beim Großteil der Kicker in Blau-Weiß-Rot. Aber leider auch diesmal brach spätestens ab Mitte der gegnerischen Hälfte die Ideen- und Konzeptlosigkeit aus. Was soll man auch ab dem 16er mit dem Ball anfangen? Ins Tor schießen natürlich. Flügelspiel, Pass in die Tiefe, direkt, mir egal. Ich will hier zwar nicht zum Hobbytrainer mutieren, aber es war mal wieder erschreckend mit anzusehen, was einem so als zwingende Torchance angeboten wurde. Und am Ende werden dann auch noch Hochkaräter aus 2 Meter Nahdistanz an die Querlatte gesetzt. Ist es Pech, ist es Unvermögen? Ich kann mich gerade nicht entscheiden. So gewinnt also der Tabellenletzte mit Glück und Cleverness mit dem knappsten aller Resultate.

Pünktlich zum Abpfiff hat dann auch hoffentlich der letzte gesehen, dass diese Mannschaft in Blau-Weiß-Rot keine Mannschaft ist. 7 Spieler stehen im Mittelkreis und versuchen die Niederlage zu verdauen, der Rest der Spieler befindet sich schon in der Kabine. Nur gemeinsam schafft man die Wende. Ich kann mich mit dem Gedanken an die Dritte Bundesliga jedenfalls nicht anfreunden oder in der Sommerpause mal eben den Verein wechseln. Zu allem Überfluss feierten die Ahlener Rasentreter ihren Auswärtssieg auch noch auf höchst sarkastische Weise. La Ola vor einem gänzlich leeren Gästeblock. Die Couchpotatos vor den Bildschirmen im Münsterland wird’s vermutlich erfreut haben. Die Stadiongänger der Süd versuchten derweil nach Abpfiff am VIP-Bereich noch klärende Worte mit Offiziellen zu finden, unserer Redebedarf war jedoch fürs erste gedeckt. Mit „Unsre Kogge habt ihr nicht verdient“ fand ich einen Kurvengesang noch nie passender zur aktuellen Situation.

Nach einer kurzen Aufwärmrunde wurde sich in Schale geworfen. Wir lassen uns doch von Hansa die Party nicht vermiesen. Schließlich stand die abendliche Geburtstagsparty unter dem Motto „Hansa forever or never – logger in Jogger“. Die Mitmachquote trotz Null-Punkte-Spiel erfreulicherweise hoch. Sicherlich etwas ungewohnt sich in Jogger und Trikot ins Nachtleben zu stürzen, aber was tut man nicht alles für Eintritt for free und Welcome Drink. Der Abend dann feuchtfröhlich und auch das Tanzbein wurde mal wieder ausgiebig geschwungen. Das mit dem Tanzbein lag aber natürlich ausschließlich an der Guten Musik im Meli. Irgendwann zwischen „Ich bin angeheitert“ und „Ich muss schlafen“ machte man sich zu früher Morgenstunde auf zurück in Richtung Jugendherberge Sonnenschein. Die Betten waren diesmal ausgebucht.
Neuer Morgen, neues Glück. Von wegen. Frühstück zur Mittagszeit, Katerstimmung, die Liegeposition auf der Couch ständig wechselnd. Außer bei Tönnchen fand das Leben außerhalb der 4 Wände ohne uns statt. Muss ja auch mal sein. Dafür präsentierte sich der Sonntag wieder von der „Bist du am Leben interessiert“ Seite und wurde mit einem ausgiebigen Brunch eingeläutet. Den Rest des Tages hatte man dann wieder die Bahn am Hals bzw. die Bahn mich. Bares haben Sie jedenfalls keines von mir erhalten. Das hatte ich im Dezember schon an den Überwachungs-Discounter abgedrückt. Schließlich gab es auf der Rückfahrt gen Württembergisches Exil auch kein Unterhaltungsprogramm geboten. Keine Verspätungen. Keine lustigen Durchsagen. Keine überfüllten Züge. Soll ich das kürzlich geliehene Buch „Schwarzbuch Deutsche Bahn“ da wirklich überhaupt noch lesen, wenn alles nun so glatt läuft beim Mobilitätsdienstleister meines Vertrauens?
Zu guter Letzt noch ein dickes fettes Dankeschön an meine Lieblings-Jugendherbergs-Familie für die Gastfreundschaft, dem Mö einen speziellen Dank für eine klasse Party und Tönnchen einen lieben Gruß.